September: Erntedankfest - wir sind auf Gott angewiesen

Daniel Janzen
Daniel Janzen

Im Oktober wird normalerweise in christlichen Kirchen das Erntedankfest gefeiert. Es soll daran erinnert werden, dass es in Gottes Hand liegt, damit wir genügend Nahrung haben. Häufig gibt es eine Erntekrone, und es werden Feldfrüchte, Getreide und Produkte aus Gärten um den Altar ausgelegt. Pastor Daniel Janzen beschreibt beim Thema des Monats Oktober seine Gedanken zum Erntedankfest. Daniel Janzen ist Pastor der evangelisch-mennonitischen Gemeinde - einer Freikirche - in Westhagen in der Neubrandenburger Straße. Er hat schon im Juli 2011 das Thema des Monats zur "Erwachsentaufe" (zum Text) verfasst.

 

Da es aber noch viel Ungerechtigkeit und Hunger auf der Welt gibt, empfehlen wir auch das Thema des Monats Juni 2012 " Fair handeln: Der CVJM Deutschland setzt Zeichen - Weltladen "Pueblo" in Wolfsburgs Innenstadt - Sozialradler des CVJM Wolfsburg treten für Kinder und Jugendliche  am 22. September in die Pedalen" (zum Text).

 

Erntedankfest – wir sind auf Gott angewiesen!

Jesus erzählte in Lukas 12,15-21 eine Geschichte. „Es war ein reicher Mann, dessen Feld hatte gut getragen. Da ging er hin und feierte das Erntedankfest.  Er Gott für die große Ernte, freute sich und versorgte die Notleidenden in seiner Umgebung aus seinem Überfluss.“

So könnte die Geschichte weitergehen. Zumal am Erntedankfest wäre es dann eine passende Geschichte. Aber sie geht anders weiter. Es ist nicht die Ge­schichte eines Erntedankfestes, sondern die eines ausgefallenen Erntedank­festes und dessen Folgen.

Das Erntedankfest fällt flach. Nicht weil es keinen Anlass dazu gäbe. Grund zum Feiern ist da. Die Felder haben üppig getragen, eine Rekordernte steht bevor. Da ist einer, der lebt im Überfluss. Er weiß nicht, wohin damit. Es ist gar nicht so leicht, mit dem Überfluss angemessen umzugehen. Der Bauer in der Geschichte zeigt Weitblick: Das Getreide muss sachgerecht gelagert und aufbe­wahrt werden, damit es nicht verdirbt. Neue Scheunen und Silos müssen her. Der Reichtum erfordert ganzen Einsatz. Vieles will bedacht und geplant wer­den. Volle Speicher, jede Menge Vorräte: das ist eine Basis, auf der es sich leben lässt. Der Bauer redet mit sich selbst: „Du hast einen großen Vorrat für viele Jahre. Du kannst beruhigt in die Zukunft blicken. Iss, trink, genieße das Leben!“

Und der Erntedank? Der fällt trotz der Jahrhunderternte aus. Dafür hat der Landwirt keine Zeit mehr. Er ist viel zu sehr mit sich und seinem Reichtum beschäftigt. Er sieht nur noch die Früchte und Gaben. Er vergisst darüber, wem er alles verdankt. Er vergisst den Geber. Er vergisst Gott. In seinen Planungen und Überlegungen kommt Gott nicht vor. Was der Bauer lebt, ist „praktischer Atheismus“. Er lebt so, als ob es Gott nicht gäbe. Er bestreit bestimmt nicht die Existenz Gottes, sondern das konkrete Wirken Gottes, das Wirken Gottes, nach dem er sich richten müsste und das Konsequenzen für das Handeln hätte.

In seiner Gottvergessenheit vergisst er auch seine Nächsten. Er sieht nicht die, für die er Verant­wortung trägt und die seine Hilfe brauchen. Er sieht nur sich selbst und sein eigenes Wohlergehen. Dabei könnte er so viel Gutes tun!

Noch an einer weiteren Stelle ist der Großgrundbesitzer kurzsichtig: Er sieht zwar auf die Jahre, die vor ihm liegen und die er sich angenehm gestalten will, aber er vergisst und verdrängt, dass auch seine Lebenszeit begrenzt ist. Er wähnt sich in Sicherheit und meint, über sein Leben verfügen zu können. Dabei vergisst er, dass sein Leben von Gott kommt und er am Ende wieder vor Gott stehen wird.

Und Gott, den er vergessen hatte, der meldet sich zu Wort: Du Narr! Noch in die­ser Nacht wirst du sterben. Wem wird dann der Besitz gehören, den du angehäuft hast?

„Du Narr!“ — Das ist Gottes Urteil über ein scheinbar erfolgreiches Leben.
„Du Narr!“ Du hast dir viel Mühe in deinem Leben gegeben, aber hat das, was du getan hast, auch im Angesicht des Todes Bestand? Ein bitteres Erwachen, das zu spät kommt.

Es ist wie ein Börsencrash. Er muss erkennen, dass er sein Kapital an der fal­schen Stelle eingesetzt hat. Was eine verfehlte Kapitalanlage ist, mussten in den letzten Jahren viele erfahren. Das Leben des Mannes gleicht einer verfehlten Kapitalanlage. Er hat auf Scheunen und Kon­ten gesetzt, aber nicht auf „Schätze im Himmel“.

Damit ist eine Lebenshaltung angesprochen, die nicht nur Landwirte betrifft. Wer kennt diesen Wunsch nicht, mit vollen Scheunen und Konten zu leben, für die Zukunft vorgesorgt haben und das Leben in vollen Zügen genießen zu wol­len?

Nun will ich damit nicht eine verantwortliche Vorsorge für die Zukunft schlecht machen. Die „Dummheit“ des Bauern in der Geschichte liegt nicht in seinem Pla­nen, sondern darin, dass er meint über sein Leben und seine Zukunft verfügen zu können. Er will nicht wahrhaben, dass er auf Gott angewiesen ist und bleibt.

Das Verhängnis beginnt damit, dass der Erntedank ausfällt. Nicht die Vor­sorge ist verwerflich, auch nicht die Freude über die reiche Ernte. Mit dem Erntedank fällt das Bekenntnis weg: Wir sind auf Gott angewiesen.

Die mennonitische Kirchengemeinde in Westhagen
Die mennonitische Kirchengemeinde in Westhagen