Thema des Monats November 2023: Stadtteilorientierte (Sport)Arbeit - ein Zwischenbericht: Rahmenbedingungen müssen stimmen!!! - seit Jahrzehnten in Westhagen und in der Nordstadt aktiv - viele Aktionen und Aktivitäten - "Sport und mehr" - "Rucksack" für interessierte Gruppen und Initiativen in Wohnquartieren - Wertschätzung? - DANKE an Engagierte, Helferinnen und Helfer, Mutmacherinnen und Mutmacher, Unterstützerinnen und Unterstützer und an Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Manfred Wille
Manfred Wille

Manfred Wille gibt im Thema des Monats stadtteilorientierte (Sport)Arbeit in Westhagen und in der Nordstadt einen Zwischenbericht. Er hat sich während seines Sportstudiums von 1973 bis 1979 an der Technischen Universität Braunschweig intensiv mit Sozialsport in vielen Dimensionen und Geographie mit "Städten" beschäftigt. Dabei lässt er aber auch nicht andere Aspekte des Sports wie Leistungssport, Gesundheitssport außer acht. Unter anderem für seine sozialsportlichen Aktivitäten ist Manfred Wille durch den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz im Schloss Belevue 2012 ausgezeichnet worden hier klicken.

Das Westhagener Schulzentrum mit der Sporthalle von oben.
Das Westhagener Schulzentrum mit der Sporthalle von oben.

Der CVJM Wolfsburg hatte in seinem Domizil in der evangelisch-lutherischen St. Marien-Kirchengemeinde die Möglichkeit, Tischtennis zu spielen. Dies wurde auch ausgiebig an den Nachmittagen und Abenden ebenso wie am Wochenende. So nahm eine Mannschaft unter dem Namen „CVJM-St. Marien“ 1972 an den Deutschen Eichenkreuz/CVJM-Meisterschaften im Tischtennis teil. Im selben Jahr nahm eine Mannschaft an einem Turnier des CVJM Landesverbandes Hannover im Volleyball teil. Der Wunsch nach einer Sporthalle war sehr groß. In der Schillerschule gab es am Freitagabend eine Hallenzeit – mit dem CVJM-Bulli wurden die Jugendlichen aus der Nordstadt dorthin transportiert. Im Jahr 1974 erhielt der CVJM eine Hallenzeit in der Grundschule Alt-Wolfsburg und erweiterte dann sein Angebot. 1976 wurde der CVJM Wolfsburg Mitglied im LandesSportBund Niedersachsen, im Stadtsportbund Wolfsburg, im Niedersächsischen Volleyball Verband und im Tischtennis-Verband Niedersachsen.

 

In der Nordstadt begann der CVJM mit zahlreichen Angeboten wie auch Punktspielen im Tischtennis und Volleyball. Sport und Strafvollzug, Neubürgerinnen und Neubürger, Sport und Kirche, Sport mit Konfirmandinnen und Konfirmanden und vieles mehr. Im Jahr 1976 bauten junge Menschen am Rande der Nordstadt ein wunderschönes Freizeitgelände mit vielen jugendgerechten Möglichkeiten wie Zelten, Grillen, Fußball, Lagerfeuer und einiges mehr und später auch Beachvolleyball.

 

Zusätzlich startete der CVJM Ende der siebziger / Anfang der achtziger Jahre seine Aktivitäten in Westhagen im Tischtennis und später im Volleyball.

 

Im Arbeitskreis „Kirche und Sport“ der niedersächsischen Kirchen wurde in den Jahren 2016 festgestellt, dass in manchen Orten es keine Kirche wie auch Sportvereine und weitere gesellschaftlichen Aktivitäten gab. So startete der CVJM 2017 seine stadtteilorientierte Aktion „Sport und mehr“, die er 2018 auf die Nordstadt ausweitete.

 

Wolfsburg-Westhagen ist seit seiner Gründung vor rund 50 Jahren ein "Durchgangsstadtteil". Hier wohnen Menschen zahlreicher Herkunftsgebiete, und junge Menschen sind überproportional vertreten. Es gibt zwei Grundschulen, eine Oberschule, ein Gymnasium und eine Gesamtschule (Zur Gesamtschule kommen aber viele auswärtige junge Leute). Es gibt Kindergärten, einige Kirche (weil es Baugebiete gab), ein Freizeitheim, ein Kulturhaus in einer ehemaligen Kirche, einen Bauspielplatz und Beratungsstellen. Die Grundversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner durch Geschäfte ist gesichert - mehr aber nicht. Einmal die Woche ist ein (kleiner) Markt. 23 Jahre wurde Westhagen durch das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" gefördert. Die Förderung ist mittlerweile ausgelaufen. Es gibt kaum Sportangebote für Westhagen, obwohl Westhagen mehrere Sporthallen hat. Seit Jahrzehnten arbeitet ein Kick-Box-Verein sehr engagiert in Rande von Westhagen, und zahlreiche Westhagener Kinder und Jugendliche gehen dorthin. Der CVJM Wolfsburg ist seit gut 40 Jahren in Westhagen aktiv und hat schon viele Gruppen, Liga-Spiele, Freundschaftsspiele, Turniere und Meisterschaften, Pausenliga, Fahrradsponsorenrundfahrt für Projekte für Kinder und Jugendliche, Sonderaktionen wie den Lauf für Frieden und Toleranz, WesthagenNacht und "Westhagen Spielt" und vieles mehr initiiert. Dabei arbeitet er immer mit Akteurinnen und Akteuren aus dem Stadtteil zusammen - wie auch mit mit lokalen, regionalen und überregionalen Gruppen, Verbänden und Verwaltungen zusammen. Dazu zählt auch der organisierte Sport. Der CVJM ist Stützpunktverein im Bundesprogramm "Integration durch Sport". Aktuell arbeitet der CVJM in der Interessengemeinschaft Kinder Jugendliche in Westhagen mit und hat Kontakte zu Schulen und anderen Einrichtungen im Stadtteil, und er nimmt an Veranstaltungen teil, die dieses Thema betreffen.

 

Die Nordstadt besteht aus vier Stadtteilen: Tiergartenbreite, Teichbreite, Kreuzheide und Alt-Wolfsburg. Es gibt ein großes Einkaufszentrum (Hansaplatz) mit einem Mehrgenerationenhaus, Stadtbücherei und anderen Möglichkeiten der Begegnung. Zusätzlich gibt es noch ein großes Lebensmitteleinkaufszentrum und ein kleines mit zwei Geschäften. Es gibt vier Kirchen und einige Kindergärten, zwei Grundschulen und eine Integrierte Gesamtschule. In der Nordstadt sind zwei kleinere Sportvereine ansässig, die besonders Fußball anbieten. Wolfsburgs größter Friedhof ist hier. Hingucker ist das Schloss mit seinem Park.

 

Der CVJM ist Mitglied im Stadtjugendring und hatte zahlreiche Kontakte zur Jugendförderung. 

 

In der Nordstadt lief die stadtteilorientierte Sportarbeit so lange gut, so lange es die alte Halle gab. Als sie abgebrannt ist und neu größer aufgebaut wurde, weckte sie Begehrlichkeiten – besonders von einer damaligen Sportamtsmitarbeiterin. Der CVJM ließ sich zu allem Überfluss überreden, im Winterhalbjahr für eine kurze Zeit einem Großsportverein am Freitag von 18 bis 20 Uhr die Hallenzeit zu überlassen. Dabei arbeiteten der Stadtsportbund, Sportpolitik und Sportamt zusammen. Aus dieser kurzen Zeit sind mittlerweile 16 / 19 Jahre geworden. Und eine Rückgabe ist nicht ersichtlich. Dadurch ist die Arbeit mit einer Grundschule zerstört worden. Angebote für Kinder und Familien sind im Winter sehr schwierig geworden. Vor gefühlt zehn Jahren wollten Jugendliche für Jugendliche ein Volleyball-Angebot machen. Monatelange Vorbereitungszeit. Als die jungen Leute starten wollten, war plötzlich einen Damen-Handball-Mannschaft in der Halle. Die Autos mit GF- und HE-Autokennzeichen, wie die Jugendlichen bemerkten. Von Wohnortnaher Betreuung durch die Stadt Wolfsburg war wenig zu spüren. Was Verantwortliche nicht bedenken, ist, dass sie natürlich auch die „Sprungkraft“ / Motivation von Ehrenamtlichen und Engagierten reduzieren bzw. zerstören, denn es wird eine „Geringschätzung“ gegenüber sozialsportlichen Angeboten deutlich. Die Angebote sind in der Nordstadt aber notwendig und sinnvoll.

 

Im Jahr 2017 startete der CVJM die Aktion „Sport und mehr“ in Westhagen. Ziel ist auch, dass ein „Rucksack“ für andere Gruppen und Vereine entwickelt wird, damit sie eine Arbeitshilfe an ihren Standorten haben, um ähnliche Aktionen durchführen zu können. „Sport und mehr“ lief etwas schleppend an, da sich viele darunter nichts vorstellen konnten. Es ist aber keine „Konkurrenz“ zu anderen Sportangeboten. Von 18 bis 21 Uhr steht die kleine Halle im Schulzentrum zur Verfügung, von 20 bis 21.30 Uhr die große Halle mit drei Teilen. Zudem wird das Foyer der Sporthalle miteinbezogen. Im Laufe der Zeit wurde das Angebot bekannter und es entwickelte sich ein stärkeres Verständnis. Bis 2014 hatte der CVJM schon ein kleines stadtteilorientiertes Angebot gemacht. Dies musste allerdings wegen der mangelnden Unterstützung des Ortsrates Westhagen und der Sportverwaltung eingestellt werden (siehe Thema des Monats ). Dies soll heißen, dass der CVJM schon Erfahrung mit derartigen Angeboten in Westhagen hat. Dann kam Corona. Häufig mussten die Angebote ganz oder teilweise eingestellt werden. Über wöchentliche Rundmails mit Informationen, sportlichen Übungen und kleinen Wettbewerben wurde der Kontakt gehalten. Dadurch konnte nach Aufhebung der Corona-Auflagen voll durchgestartet werden. Hier ist auch die Unterstützung der Schulen in Westhagen, Detmerode und Wohltberg wichtig gewesen. Weiterhin wurde und wird die stadtteilorientierte Aktion durch das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ im LandesSportBund (LSB) unterstützt. Mit der Interessengemeinschaft „Kinder und Jugend“ in Westhagen und „Niedersachsen packt an“ wurde und wird zusammengearbeitet ebenso wie „gemeinsam helfen“ und verschiedenen Abteilungen im LSB. Es kamen immer mehr Interessierte zu den Abenden. Besonders junge Leute nutzten und nutzen dieses niedrigschwellige Angebot. Teilweise waren bis zu 50 Personen an einem Abend anwesend, und es kamen auch Zuschauende wie Eltern und Geschwister. Bei Freundschaftsspielen waren weit mehr als 50 Personen in den Hallen + Zuschauende, bei Freizeitturnieren weit über 100 Personen. Dies ist natürlich auch Werbung für Westhagen.

 

Volleyball wird angeboten, Fußball, Tischtennis, Basketball. Seit mehr als einem Jahr werden jetzt noch Gesellschaftsspiele, Jakollo und Mini-Tischtennis angeboten. Jetzt im Sommer wollten Jugendliche aus Westhagen für Jugendliche aus Westhagen in ihrem Schulzentrum in Westhagen ein zusätzliches Angebot machen. Eine Stunde in einem Drittel. Obwohl diese Aktion zuerst bei der Sportverwaltung beantragt wurde, wurden die Jugendlichen nicht berücksichtigt. Auch die Intervention durch die Politik war nicht erfolgreich. Besonders bedauerlich für die jungen Leute aus Westhagen: Vor den Sommerferien 2023 war die andere Sportgruppe überschaubar, nach den Ferien wurde sie kaum noch gelebt. Schade! Darunter hat „Sport und mehr“ sehr gelitten, da keine Kindergruppe zusätzlich angeboten werden konnte (Volleyball-Pausenliga an Grundschulen). In zwei, drei Jahren wird es „Nachwuchsprobleme“ geben. Auch konnten Eltern der Kinder nicht angesprochen werden. Aber die Engagierten wollen weitermachen, um Westhagen auch "auf zu peppen".

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die stadtteilorientieren (Sport)Aktionen auf einem guten Weg befinden und ausbaufähig sind. Wichtig ist, dass die „Macherinner und Macher“ des Projektes an verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen und Arbeitskreisen teilgenommen haben und nehmen und so ein reger Austausch mit anderen Akteurinnen und Akteuren aus diesem wichtig Arbeitsbereich vorhanden ist. Aber die Rahmenbedingungen müssen natürlich stimmen!!! Interessierte können sich jederzeit bei uns melden. Im Frühjar 2023 waren einige Interessierte in Westhagen.